Der Tausendsassa Andreas Gergen hat eine äußerst erfolgreiche ersten Spielzeit als künstlerischer Leiter der Bühne Baden hinter sich. Damit er in der Sommerpause nicht zu viel Freizeit hat, inszeniert er nun bei den Seefestspielen Mörbisch das Musical „Ein Käfig voller Narren“ mit Alfons Haider, Drew Sarich und Mark Seibert.
Gerhard Maly hat den am 26. November 1973 in Saarlouis (Deutschland) geborenen Andreas Gergen bei über 30 Grad vor einer Probe in Mörbisch zum Gespräch getroffen. Seine ersten Bühnenerfahrungen sammelte er am Saarländischen Staatstheater. Nach seinem Studium an der Hochschule der Künste in Berlin war er in den verschiedensten Rollen zu sehen. Parallel begann er, auf Berliner Bühnen zu inszenieren. Er war einige Zeit als freischaffender Regisseur und von 2011 bis 2017 als Operndirektor am Salzburger Landestheater tätig. Seit 1. September 2025 ist er künstlerischer Leiter der Bühne Baden.
Wie bist Du zu dem Inszenierungsauftrag für „Ein Käfig voller Narren“ auf der Seebühne Mörbisch gekommen?
Gergen: Alfons Haider hat mir die Regie angeboten. Ich freue mich, dieses Musical zum mittlerweile 4. Mal inszenieren zu dürfen – nach Salzburg, Dresden und Klagenfurt. Es ist eine großartige Geschichte mit Herz, Verstand und großartiger Musik. Und einer unmissverständlichen Botschaft: „Love is Love“!
Wie legst Du die Inszenierung an und welche Gedanken haben Sie sich dazu gemacht
Ich recherchiere viel und versuche in meinen Inszenierungen den Geist und die Motivation des Librettisten und Komponisten in die heutige Zeit zu transferieren. Es ist spannend, dass oft aus ganz persönlichen Beweggründen die Werke geschrieben wurden. Dafür muss man die Zeit und das Umfeld des Komponisten ergründen. Ganz klar im Vordergrund steht aber die klare Erzählung der Geschichte – als Regisseur verstehe ich mich als „Geschichtenerzähler“.
Wie viele Inszenierungen hast Du bei den Seefestspiele Mörbisch schon gemacht?
Gergen: Ich habe bereits zwei Inszenierungen in Mörbisch gemacht: 2016 die Operette „Viktoria und ihr Husar“ von Paul Abraham (noch unter der Intendanz von Kammersängerin Dagmar Schellenberger) und 2023 das Musical „Mama Mia“ mit der Musik von Björn Ulvaeus und Benny Andersson.
In Baden hast Du auch schon einige Inszenierungen gemacht. Welche?
Gergen: An der Bühne Baden haben ich bereits fünf Mal Regie geführt. Zweimal unter der Intendanz von Michael Lakner. 2022 das Musical „Sunset Boulevard“ von Andrew Lloyd Webber und 2025 „Chess” von den ABBA-Mitgliedern Benny Andersson und Björn Ulvaeus. Dieses Musical ist aktuell für den Österreichischen Musiktheaterpreis nominiert.
Seit ich künstlerischer Leier in Baden bin, habe ich „Wicked“, „Mathilda“ und „Die Comedian Harmonists“ inszeniert.
Wie viele Inszenierungen hast Du bis dato überhaupt schon gemacht?
Gergen: Ich habe bereits vor einiger Zeit aufgehört zu zählen, aber es sind in den letzten 26 Jahren über 150 Inszenierungen von Musicals wie „West Side Story“ über Opern wie „La Traviata“ und Operetten wie „Die Fledermaus“ zu Schauspielen wie „Viel Lärm um nichts“ zusammengekommen.
Welche Inszenierung war Dein Erstlingswerk? Wann und Wo war das?
Gergen: Das war das Peanuts-Musical „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“. Als wir für die Uraufführung von „Disneys Glöckner von Notre Dame“, bei dem ich 1999 noch auf der Bühne stand, 5 Wochen in New York geprobt haben, habe ich dieses Musical am Broadway gesehen.
Im Longrun-Musical-Betrieb mit 8 gleichen Vorstellungen pro Woche, habe ich den Entschluss gefasst, Regisseur zu werden. Ich wollte kreativ sein und gründete mit Christian Struppeck eine Produktionsfirma. Unsere erste Produktion war „Du bist in Ordnung, Charlie Brown“ im Kleinen Theater am Südwestkorso in Berlin mit Premiere am 12. September 2000.
Meine zweite Regiearbeit führte mich schon nach Österreich. Dr. Peter Hofbauer wurde auf uns aufmerksam und bot uns 2001 die Regie für das Musical „Der kleine Horrorladen“ im Wiener Metropol an.
Was war Dein Lieblingsstück, welches Du inszeniert hast?
Gergen: „Rock Me Amadeus“ im Wiener Ronacher ist bislang mein Lieblingsstück – eine Hommage an Falco und ein Künstlerpsychogramm im Allgemeinen. In diesem Musical hat auch der Stern des Badener Mortiz Mausser zu strahlen begonnen.
Was würdest Du in Zukunft unbedingt noch inszenieren wollen?
Gergen: Ich würde gerne die Oper „Tannhäuser“ von Richard Wagner inszenieren. Ich mag diese Opern sehr, sowie die Opern von Richard Strauß. Sie sind wie Schauspiel mit Musik, die die Gefühlswelten hörbar macht.
Du bist, wie Du mir Anfang sagtest in Baden angekommen. Was gefällt Dir an Deinem neuen Wohnsitz besonders und was liebst Du an Baden?
Gegen: Ich habe zwar im Theater nahezu rund um die Uhr zu tun, aber die Stadt Baden beruhigt und erdet mich. Ich habe noch so viel in Baden zu enddecken und freue mich darauf. Ich habe mir eine schöne und gemütliche Wohnung im Zentrum von Baden eingerichtet, in der ich mich sehr wohl fühle. Baden ist mein neues künstlerisches Zuhause. Ich liebe die Bühne Baden und bin dankbar für ein großartiges Team am Haus in allen Bereichen, das mir hilft, meine künstlerischen Visionen in die Tat umzusetzen.
Lieber Andreas Gergen ich danke Dir für das interessante Gespräch und wünsche Dir für Deine weitere Zukunft viel Glück und Erfolg.
Sie wurden in Wien geboren, verbrachten Sie dann auch ihre Kindheit in Wien?
Da mein Vater Helmut Baresch Hernández Kolumbianer ist, verlebte ich die ersten 5 Lebensjahre in Bogotá. Als ich schulpflichtig wurde, bestand meine Mutter darauf, wieder nach Österreich zurückzukehren. Da mein Vater für die Berndorfer Metallwerke tätig war, zogen wir nach Berndorf. Dort besuchte ich auch das Gymnasium.
Wo leben Sie jetzt?
Ich lebe zusammen mit meinem Mann, dem Sänger, Tänzer und Schauspieler Peter Lesiak, und meinem Sohn in Wien.
Wie kamen Sie auf die Idee, Schauspiel zu studieren?
Eigentlich wollte ich Sängerin werden, besuchte diverse Gesangsseminare und begann eine Musicalausbildung an der Hochschule für Musik und Darstellende Kunst in Wien. Dort machte mir allerdings der Schauspielunterricht am meisten Spaß, sodass ich 1994 an die Kunst- und Privatuniversität der Stadt Wien (vormals Konservatorium der Stadt Wien) wechselte und ein vierjähriges Schauspielstudium absolvierte. Der Musik bin ich aber dennoch immer treu geblieben.
Was war für Sie das Ausschlaggebende sich für den doch etwas unsicheren Beruf zu entscheiden?
Ich sah und sehe den Beruf nicht als unsicher. Außerdem sagte meine Mutter, mach doch das, was du möchtest und was dir Spaß macht, sicher ist sowieso nichts im Leben. Meinem Vater wäre es zwar lieber gewesen ich hätte einen familienfreundlicheren und „sichereren“ Beruf, wie Lehrerin ergriffen.
Was waren ihre ersten Rollen?
Meine erste große Rolle war Polly Peachum in der Dreigroschenoper in einer Inszenierung von Dieter Haspel. Es folgten weitere Theaterengagements in Wien (Ensemble Theater, Metropol, Theater der Jugend), Berlin (u.a.Theater am Kurfürstendamm) und Salzburg.
Mein Kinodebüt gab ich in Wolfgang Murnbergers Film „Ich Gelobe“ (1994). Dieser Film wurde bei der Viennale im gleichen Jahr mit dem Wiener Filmpreis ausgezeichnet.
Weitere Filme folgten wie z.B. der französische Kinofilm „J’ai tué Clémènce Acéra" (Es ist niemals zu spät, 2000), „Die Wasserfälle von Slunj" unter der Regie von Peter Patzak (2001), oder „Clara’s Schatz" (2002), wo ich als Tochter von Hannelore Elsner zu sehen war.
Womit nahm dann ihre Karriere so richtig Fahrt auf?
So richtig bekannt wurde ich durch diverse Fernsehproduktionen. Etwa durch die ORF-/ZDF-Serie SOKO Wien, in der ich in der ersten Staffel 2005 Oberstleutnant Elisabeth Wiedner spielte. Von 2011 bis 2012 verkörperte ich in der ZDF-Serie „Der Bergdoktor“ an der Seite von Hans Sigl, Heiko Ruprecht und Mark Keller, Dr. Lena Imhoff.
Was waren Ihre Lieblingsrollen?
Eine meiner Lieblingsrollen war die „Bella“ in Lost in Yonkers – Eine ganz normale Familie von Neil Simon.
Sie haben auch einige eigene Programme. Welche sind das?
Wie ist das mit dem Stimmcoaching das Sie anbieten?
Vor einigen Jahren habe ich begonnen mich vermehrt mit den Ursachen von Dysfunktionen der Stimme und Sprachfehlern zu beschäftigen und gebe mein Wissen in Form von Sprechunterricht, und Stimmcoachings im Einzelunterricht weiter, was mir große Freude bereitet.
Beim Jubiläum 50 Jahre GC Enzesfeld – 2022 – waren Sie als Höhepunkt auf der Bühne. Wie kam es dazu?
Ich selbst bin Golferin, die diesen schönen Sport in Enzesfeld erlernt hat. Ich war dort auch viele Jahre Mitglied. Ich habe aber derzeit zu wenig Freizeit, um in Enzesfeld auch regelmäßig zu spielen. Meine Eltern sind aber immer noch aktive Mitglieder.
In den letzten Jahren waren Sie immer im Sommer in Laxenburg engagiert. Heuer spielen Sie in Sitzenberg?
Nach so vielen Jahren war es Zeit für eine Veränderung. Außerdem war der Sommer durch das Engagement in Laxenburg immer komplett verplant.
Heuer werde ich beim 20-jährigen Jubiläum der Sommerspiele Schloss Sitzenberg die Rolle der Mirandolina im gleichnamigen Stück von Carlo Goldoni übernehmen. Da die Vorstellungen vom 4. bis 23. Juni stattfinden, habe ich im Sommer auch noch Zeit für etwaige andere Projekte und natürlich endlich wieder einmal Zeit für einen längeren Familienurlaub.
Welche Rollen würden Sie noch gerne spielen?
Egal, ob Fernsehserie, Film oder Theater, wenn die Geschichte gut ist und unterhält und mich die Rolle berührt bin ich für alles offen. Am Theater hätte ich vor allem Lust auf gute Boulevard-Komödien oder Kammerspiele, wie Stücke von Yasmina Reza („3 Mal Leben“) - Theater ist live und ich liebe es die unmittelbare Reaktion des Publikums zu spüren, am Besten, wenn es lacht!
Was sind ihre aktuellen Zukunftspläne?
Ich arbeite an einem neuen Album mit eigenen Liedern und einem neuem Bühnenprogramm.
Liebe Pia Baresch, wir danken Ihnen für das nette Gespräch und wünschen Ihnen für die Zukunft das allerbeste und weiterhin ganz viel Erfolg.
Gerhard Maly
PS: Auch auf NÖN Baden nachzulesen!