Regattasegeln ist eine Leidenschaft. Hat man es probiert, so gibt’s natürlich die Möglichkeit „Danke, habe ich gesehen, brauch ich nicht.“ Bei den meisten wird es aber zur Sucht. Da ist es nur verständlich, dass man das (Regatta-)Segeln vom Heimischen See auch auf das nahe Meer ausdehnt. Der Urlaubscharakter ist schon wegen des beständigeren Wetters und der höheren Luft- und Wassertemperaturen deutlich höher.
Die Veranstalter von Regatten haben sich teilweise dem angepasst, denn neben den Regatten, wo nur der sportliche Wert zählt, gibt es eine ganze Reihe von Events mit einem guten Mix aus Sport und Urlaub. Beide Sparten finden ihre Klientel. Damit die Auswahl für jeden etwas leichter fällt, haben wir hier alles, was uns aus der nahen Adria bekannt ist, zusammengestellt und etwas beschrieben.
Was allen Regatten
gemeinsam ist, es soll
möglichst fair sein.
Wer das bis in die letzte Konsequenz verfolgt, der ist ausschließlich in einer Einheitsklasse wirklich gut aufgehoben, denn da ist man von keinem Rating abhängig. Bei vielen Regatten gibt es dann noch eine Gesamtwertung, aber die kann man ja geistig wegschieben, wenn man möchte.
Leider werden die Einheitsklassen in der mittleren Adria immer dünnen und eher hochpreisig. In Punat entwickelt sich gerade eine Flotte von Dehler 38 SQ die mit Gennaker gesegelt werden, die auch relativ preiswert ist. Die Hochsee-Staatsmeisterschaft im One Design Segeln ist deswegen in den Norden gewandert.
Viele lieben aber ihr ganz persönliches Boot, ob nun gechartert oder im Eigenbesitz sei hier egal, und müssen sich daher mit anderen Booten über ein Rating vergleichen. Hier ist das ORC System das geeignete Mittel. Je nach Windgeschwindigkeit gibt es unterschiedliche Rennwerte, und so gibt es einen (zumindest theoretisch) perfekten Ausgleich zwischen jenen Booten, die bei fast Flaute schon fahren gegenüber jenen Booten die Wind so richtig zu laufen beginnen, wenn die Übertakelten schon echte Probleme mit Handling und Performance bereiten.
Neben dem Standardzertifikat gibt es bei Bedarf für jedes Boot auch ein Doublehanded- und ein Non-Spinnaker-Zertifikat zu haben. Alle drei dieser Zertifikate einer Saison sind gleichzeitig gültig. Crews, die in ORC-Regatten ohne Spinnaker starten wollen, sollten darauf achten, ein gültiges Non-Spinnaker-Zertifikat zu haben. Haben sie das nicht, wird der Spinnaker im Rating eingerechnet, und sie haben nach der Berechnung so gut wie keine Chance! Achten Sie also rechtzeitig darauf, das richtige Zertifikat zu haben. Sind Sie Eigner, dann melden Sie sich bitte mindestens zwei Wochen bevor Sie das Zertifikat brauchen, beim Österreichischen ORC Rating Office (schmidleitner@sportconsult.at). Haben Sie Ihr Boot gechartert, so fordern Sie Ihr Zertifikat rechtzeitig bei der Agentur Ihres Vertrauens an. Erst wenn Sie dieses in der Hand haben, können Sie darauf vertrauen, dass es auch existiert.
Der April ist noch etwas für die Unerschrockenen, denn die Temperaturen sind noch nicht ganz so hoch. Los geht die Segelsaison mit dem 19. Gebirgssegler Cup, bei dem neben einer ORC-Klasse mit Spinnaker/Gennaker drei Einheitsklassen an den Start gehen: First 35, Bavaria C46 und Bavaria 41S (alle mit Beisegel) sind die Boote, die unter der Leitung von Franjo Jurić und Mike Hecker von Biograd aus in See stechen. 35 Boote haben im Vorjahr um den Sieg gekämpft!
Ende April findet der Kornati Cup ebenfalls ab Biograd statt. Gesegelt wird in den Einheitsklassen Bavaria C46 und Dufour 41, einer Eigner-ORC-Klasse (mit und ohne Beisegel), sowie in einer Pitter-Charterklasse mit und ohne Spi.
Ende Mai Anfang Juni findet in die die 19. Alpe Adria Sailing Week in Punat statt. Der traditionsreiche Austria Cup wird wieder auf den First 35 ausgesegelt. Im Vorjahr waren insgesamt 31 Boote am Start, die sich auf die verschiedensten Wertungen aufteilen. Die Zahl der Teilnehmer ist steigend! Der YCA Crew Kärnten mit Othmar Petschnig als Wettfahrtleiter geben ihr Bestes, und auch das gesellschaftliche Programm kann sich sehen lassen.
Jedes zweite Jahr findet Mitte Juni der Linz-Cup statt. Heuer ist es wieder so weit! Aus einem kleinen Firmenevent entstanden segeln heuer wieder drei Einheitsklassen um den Sieg. Etwas Besonderes: die Gesamtwertung wird mit einem Rating erstellt, das erst während der Regatta, über die bei den tatsächlich herrschenden Windbedingungen ermittelten Durchschnittszeiten errechnet wird. Einen hohen Stellenwert hat hier auch die Zeit zum Baden und das gesellschaftliche Programm.
Nach der Sommerpause finden der 24. ifsec Business Cup und die Adriatic Sailing Week gleich hintereinander im selben Gebiet statt: Beim ifsec Business Cup geht es ohne Spi ganz gemütlich zu. Eine Windobergrenze von 20 Knoten garantiert, dass man auch mit ungeübteren, ja auch mit Neulingen segeln gehen kann. Die Veranstaltung ist mit 10 bis 15 Booten sehr familiär. Jeder hat die Wahl zwischen der Einheitsklasse Bavaria 46 Cruiser oder der ORC Klasse.
Bei des ASW gibt es die Einheitsklassen First 35 und First 36, aber keine ORC Klasse. Hier wird mit Beisegel um den Sieg kämpft.
Im Oktober ist absolute Regatta-Hochsaison. Das Meer ist noch sehr warm, der Wind wird schon etwas stärker...
Gleich zu Beginn, noch vor der Barcolana, finden die Hochsee-Staatsmeisterschaft One Design auf Dehler 38 SQ statt, und die Hochsee-Staatsmeisterschaft ORC inshore auf beliebigen Booten mit Spi oder Gennaker. Gesegelt wird heuer rund um Punat an vier Wettfahrttagen von Montag bis Donnerstag. Sportlich organisiert werden diese Hochsee-Staatsmeisterschaften vom UYCAs, der mit Gert Schmidleitner auch den Wettfahrtleiter stellt. Pg7-Chef Markus Griessler ist der Organisator vor Ort und garantiert, dass es neben dem Segeln auch für perfekte Side-Events gibts!
Der Adria Cup des SYCS wird mit First 35 mit (und ohne) Spi von der Marina Jezera aus tagsüber um Bojen und Inseln gesegelt. 13 eingefleischte Adria Cupper waren da im Vorjahr am Start. Als Anfänger hat man hier keine Chance, denn die Ergebnisliste liest sich wie das Who is Who im Hochseesegeln.
Parallel zum Adria Cup findet der Croatia Coast Cup der Firma Pitter statt. Auf der Website war bei Redaktionsschluss nur den Termin, und der Hinweis, dass die Ausschreibung in Kürze verfügbar sein wird.
Um Staatsmeisterschaftsehren im der Kategorie ORC offshore geht es beim Croatia 300 des YCA. Heuer ist die Staatsmeisterschaft um eine Woche von der Barcolana entkoppelt, damit wirklich alle mitsegeln können. Im Renntempo geht es da nonstop über etwa 300 Seemeilen. Zwei Tage und zwei Nächte sind geplant. Der Kurs wird an die Wind- und Wetterbedingungen angepasst. So kann Wettfahrtleiter Gert Blondl Schmidleitner das Feld weitgehend von Flauten und Stürmen fernhalten. Für alle die sich nicht ausschließlich über ein Rating vergleichen wollen, wird heuer eine Wertung in der Dehler 38 SQ angeboten.
Gleichzeitig im Anschluss findet der vom NCA organisierte S-Cup in Punat statt. Gesegelt wird mit J70. Die Boote werden jede Wettfahrt gewechselt. Umpired fleetrace. Start und viele Manöver. Für Action und Spannung ist ganz sicher gesorgt!
Erst in der letzten Oktoberwoche findet das Round Palagruža Cannonball statt. Gesegelt wird mit den zwei Einheitsklassen Salona 46 und First 45. Der Kurs führt vom Start vor Kaštela über Jabuka und Biševo zum Namensgeber Jabuka, fast nach Dubrovnik, weiter in die Kornaten und wieder zurück nach Kaštela. Etwa 400 Meilen. Das ist echt Cannonball!
Bei der Vielfalt an grundlegend anders ausgerichteten Regatten sollte doch für jeden was dabei sein! Je nach Zeit und finanziellen Möglichkeiten kann man sich mehr oder weniger Regatten aussuchen.
Was sie wählen sollen? Die anschließende Tabelle gibt einen guten Überblick. Sollten Sie danach noch Fragen haben oder unsicher sein, so melden Sie sich bei Gert Schmidleitner per Mail (schmidleitner@sportconsult.at) oder treffen ihn auf der Bootsmesse in Tulln am OeSV-Stand.
Auf ein Wiedersehen bei einer der Regatten im Süden freut sich
Gert Schmidleitner
Alle Regatten in der Adria, nach Termin geordnet, finden Sie unter "Termine".